Elektroinstallation in Oberhausen: Wann sich eine Modernisierung lohnt
Eine Elektromodernisierung ist fällig, wenn die Anlage die heute üblichen Schutzeinrichtungen nicht hat, wenn die Zahl der Stromkreise dem tatsächlichen Bedarf nicht mehr entspricht, oder wenn ohnehin gebaut wird. Im dicht bebauten Oberhausen mit seinem großen Bestand an Mehrfamilien-, Reihen- und Nachkriegshäusern ist der häufigste konkrete Auslöser inzwischen aber ein anderer: jemand will eine Wallbox, eine Wärmepumpe oder eine Photovoltaikanlage — und stellt fest, dass der Hausanschluss ein Wort mitzureden hat.
Der schnelle Selbstcheck
Für eine erste Einschätzung reicht ein Blick in den Verteiler und auf ein paar Steckdosen:
- Keramik-Schraubsicherungen statt Leitungsschutzschalter — die Verteilung ist alt.
- Kein FI-Schutzschalter mit Prüftaste — der deutlichste Handlungsbedarf.
- Nur wenige Stromkreise fürs ganze Haus, sodass die Sicherung fällt, wenn zwei Geräte gleichzeitig laufen.
- Steckdosen ohne Schutzkontakt.
- Mehrfachsteckdosen und Verlängerungen als Dauereinrichtung, weil Anschlüsse fehlen.
- Brüchige oder textilummantelte Leitungen, sichtbar beim Lampenwechsel.
Einzelne Punkte lassen sich reparieren. Mehrere zusammen bedeuten: Die Anlage stammt aus einer Zeit, in der ein Haushalt einen Bruchteil der heutigen Last hatte, und sie wurde seither nur erweitert, nicht neu gedacht.
Wallbox im Mehrparteienhaus: die eigentliche Aufgabe
Im freistehenden Einfamilienhaus ist eine Wallbox meist eine überschaubare Sache. Im Mehrparteienhaus wird daraus ein Projekt mit mehreren Beteiligten. Sie brauchen der Reihe nach:
- Einen Beschluss. In einer Wohnungseigentümergemeinschaft haben Eigentümer grundsätzlich einen Anspruch darauf, den Einbau einer Lademöglichkeit zu verlangen; über die konkrete Ausführung entscheidet aber die Gemeinschaft. Als Mieter richten Sie den Wunsch an den Vermieter. Die Details regelt das Wohnungseigentums- beziehungsweise Mietrecht — lassen Sie sich das im Einzelfall erklären.
- Ein Konzept statt einer Einzellösung. Wenn drei Parteien nacheinander je eine eigene Leitung ziehen, ist der Anschluss irgendwann voll und der vierte schaut zu. Sinnvoll ist eine Planung für das ganze Haus mit Lastmanagement — dabei teilen sich mehrere Ladepunkte die verfügbare Leistung.
- Eine Prüfung des Hausanschlusses. Reicht die vorhandene Absicherung? Ist im Zählerschrank Platz für zusätzliche Zähler und Messtechnik?
- Die Anmeldung beim Netzbetreiber. Ladeeinrichtungen sind anzumelden, ab bestimmten Leistungen ist eine Zustimmung erforderlich. Das übernimmt der eingetragene Fachbetrieb.
Wer diese Reihenfolge einhält, zahlt einmal. Wer mit der Box beginnt und dann den Elektriker ruft, zahlt oft zweimal.
Nachkriegsbestand: sparsam gebaut, oft gewachsen
In Häusern aus den Jahrzehnten des Wiederaufbaus finden Elektriker regelmäßig eine sehr sparsame Grundausstattung: eine Steckdose pro Wand, wenige Kreise, Leitungsquerschnitte, die für Radio und Glühlampe gerechnet waren. Darüber liegen dann mehrere Generationen von Erweiterungen — jede für sich vielleicht in Ordnung, in der Summe aber undurchschaubar.
Deshalb lautet die wichtigste Empfehlung: Schließen Sie nicht vom Baujahr auf den Zustand. Lassen Sie den tatsächlichen Bestand aufnehmen. Erst danach lässt sich sagen, ob Sie einen Verteiler tauschen oder ein Haus neu installieren.
In Etappen sanieren — nach Risiko sortiert
Eine komplette Neuinstallation im bewohnten Haus ist eine Zumutung: Staub, Lärm, tageweise kein Strom. Wenn das nicht in Frage kommt, gehen Sie nach Priorität vor: zuerst Zählerschrank und Schutzeinrichtungen, dann Bad und Küche als Räume mit Feuchtigkeit und hoher Last, dann Wohnräume, zuletzt Keller, Garage und Außenbereich.
Wo aber ohnehin Wände geöffnet werden — bei einem neuen Bad, einem Dachausbau, einem Fensterwechsel — ziehen Sie die Elektrik vor. Zweimal aufstemmen ist die teuerste Variante, und der Zuschlag für den kompletten Durchgang ist meist kleiner als die Summe der Einzeleinsätze.
Worauf Sie beim Betrieb bestehen sollten
Arbeiten an der festen Installation gehören zu einem Betrieb, der im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen ist. Verlangen Sie am Ende zwei Dinge: ein Prüfprotokoll und eine Dokumentation der Stromkreise. Beides klingt bürokratisch und ist beim nächsten Umbau, beim Verkauf oder beim ersten Bohrloch schlicht Geld wert.
Klären Sie außerdem vorher, wer nach dem Schlitzen Putz- und Malerarbeiten übernimmt. Das ist die häufigste Lücke zwischen Angebot und Erwartung — und der häufigste Grund für Ärger am Ende einer ansonsten guten Baustelle.
Fazit
Prüfen Sie den Verteiler, lassen Sie den Bestand aufnehmen statt ihn zu vermuten, und bündeln Sie Arbeiten mit anderen Gewerken. Wenn es um eine Wallbox im Mehrparteienhaus geht, denken Sie vom ganzen Haus her: erst Beschluss und Konzept mit Lastmanagement, dann Hausanschluss prüfen, dann anmelden, dann installieren. In dieser Reihenfolge ist es ein Projekt. In der umgekehrten ist es ein Problem.